Autor*in nach Titel2020-12-13T17:13:17+01:00

Autor*in

Alphabetisch

Schritte

Erwin Berner

Schritte

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Friedrichshain — Samariterviertel

Schritte. Ich höre Schritte über mir. Schritte, Schritte – immer wieder Schritte über mir, all die Jahre.

Nachbar werden

Jens Bisky

Nachbar werden

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Schöneberg — Friedenau

Vor acht Jahren sind wir nach Friedenau gezogen, fast ungewollt. Umziehen wollten wir schon, aber dass es nach Friedenau ging, war Zufall gewesen. Es lag an der Wohnung, nicht am Kiez, der auf meinem Stadtplan zuvor keine Rolle gespielt hatte. 

Das Haus in der Nachbarschaft

Jan Brandt

Das Haus in der Nachbarschaft

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Kreuzberg — Reichenberger Kiez

Die Fotos sahen aus wie aus der Werbung. Eine Küche mit einem großen Gasherd, großer Dunstabzugshaube und Medizinschrank, ein Badezimmer mit weißen Kacheln und weißer Wanne…

Der Nazi-Putzi

Emma Braslavsky

Der Nazi-Putzi

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Charlottenburg — Westend

Auf den letzten Metern wolle sie nicht noch Stress kriegen, sagte die Frau, als ich sie fragte, was mit den Spielfiguren im Schrank geschehen solle. Ich kam auf ein Inserat bei Ebay Kleinanzeigen, um eine Vitrine abzuholen, die sie verschenken wollte. 

Mit der Nachbarin ins Gericht

Maddalena Casarini

Mit der Nachbarin ins Gericht

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Britz — Hufeisensiedlung

Der Nachbar ist nicht nur derjenige, der in der Nähe wohnt, sondern auch derjenige, der nebenan klatscht. Besonders nahe rückt der Klatsch in Zeiten urbaner Wohnungsnot, wie zum Beispiel im Jahr 1928, als in Groß-Berlin „nicht weniger als 165.000 Wohnungen“ fehlten.

Aus der Zeit gefallen?

Edouard Compere

Aus der Zeit gefallen?

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Mitte — Friedrichstadt

Wer die zweieinhalb Kilometer vom Molkenmarkt hinter dem Roten Rathaus bis zum Potsdamer Platz zu Fuß geht, wird sich wahrscheinlich wünschen, lieber mit dem Taxi gefahren zu sein: Die sechsspurige Leipziger Straße lädt keinesfalls zum Flanieren ein. Jedoch würde die schnelle Autofahrt eine ganze Reihe interessanter, zum Teil merkwürdiger Begegnungen verhindern.

Moabit von der Landschaft aus gesehen

Jörg Dünne

Moabit von der Landschaft aus gesehen

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Moabit — Protestantenviertel

In den Wochen des zweiten Lockdowns seit November (den ersten habe ich im Süden Deutschlands verbracht) erlebe ich nun zum ersten Mal in Berlin mit, wie ein Kiez immer stiller wird – und wie dieser Dämmerzustand des Urbanen mit den länger werdenden Herbstnächten einhergeht.

Wie ich Botschafterin der DDR wurde

Paula Fürstenberg

Wie ich Botschafterin der DDR wurde

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Umland

Dass ich ostdeutsch sozialisiert bin, bemerke ich erst, als ich meine Heimatstadt verlasse und plötzlich die Einzige bin. Ich lerne schnell, dass meine Herkunft erklärungsbedürftig und beladen von Vorannahmen ist, die es zu bestätigen oder zu revidieren gilt. 

Guinea Underground

Chrizzi Heinen

Guinea Underground

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Friedrichshain — Samariterviertel

Mari ist tot. Und ich schäme mich für meine Trauer. Es ging ihr zeitlebens besser als so manchem Menschen. 

Meine Straße

Pascale Hugues

Meine Straße

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Schöneberg — Bayerisches Viertel

Als ich das erste Mal einen Fuß in meine Straße in Berlin gesetzt habe, ging mir sofort die Frage durch den Kopf: Was mochte in dieser Straße alles passiert sein, dass sie heute solche Narben trägt?

Erste Umzüge

Uwe Kolbe

Erste Umzüge

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Prenzlauer Berg — Helmholtzkiez

Der erste selbständige Umzug des Lebens brachte den jungen K. von der Stolpischen Straße in die Bergener Straße. Mit Aplomb und Türenschlagen und doch einer gewissen Rest-Unterstützung der Eltern.

Der Nachbar in mir

Dirk Kurbjuweit

Der Nachbar in mir

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Steglitz — Lichterfelde West

Obwohl Herr Tiberius dreimal gestorben ist, werde ich ihn nicht los. Er war mein Nachbar, jetzt ist er mein Begleiter. Er wohnte unter mir, jetzt lebt er in mir. Er war mein Feind, inzwischen kommen wir leidlich miteinander aus. Im Jahr 2002 kaufte ich mit meiner damaligen Frau eine Wohnung im Erdgeschoss einer Villa in Lichterfelde West. 

Timequake. Spatiotemporal disturbances in the Berlin city center

Andreas Lipowsky

Timequake. Spatiotemporal disturbances in the Berlin city center

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Mitte — Potsdamer Platz

In his seminal novel Timequake, Kurt Vonnegut envisions a capricious universe temporarily displeased with its own continuous expansion. In an act of unprecedented quirkiness, the universe decides to shrink back to a slimmer version of itself, making everyone on earth and elsewhere relive the last decade of their lives. 

Walking towards the Phantom Wall

Andreas Lipowsky

Walking towards the Phantom Wall

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Kreuzberg — Mariannenkiez

Deboarding the U1 underground line at Kottbusser Tor, you step onto an above-ground platform towering at the top of a roundabout. To the north, through the residential complex hovering over Adalbertstraße, is the center of eastern Kreuzberg – dubbed SO36 after its former postal code.

The Asa Tree

Tim Luscombe

The Asa Tree

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Kreuzberg — 36

Growing up in an intensely wooded London suburb, I had a strong suspicion that our neighbours played a big part in the plan for grand conformity. “What would the neighbours think?”

Existenzielle Nachbarschaft

Natalie Moser

Existenzielle Nachbarschaft

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Umland

„Ich hatte wieder nicht schlafen können, und war ans Fenster getreten : rechtwinklig dazu, in ihrem Erker, stand die Nachbarin, Kriegerwitwe; wir hatten noch nicht miteinander gesprochen.“ Der Protagonist von Arno Schmidts 1956 veröffentlichter, dreiseitiger Kurzgeschichte Nachbarin, Tod und Solidus scheint seiner Nachbarin nicht nur räumlich nahe, sondern auch hinsichtlich der gemeinsamen Disposition, nicht schlafen zu können. 

Die Namen der Nachbarn

Dirk Naguschewski

Die Namen der Nachbarn

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Gesamtberlin

Nur noch selten findet man heute in den Hauseingängen der Berliner Mietskasernen aus der Gründerzeit einen Stillen Portier. Dieser – zumeist eine hölzerne Tafel mit ebenso vielen Feldern, wie das Objekt Wohnungen aufweist, die jeweils mit den Namen der aktuellen Mieter bestückt wurden – bot Besuchern eines Hauses Orientierung, wer wo wohnte.

Das Juweliergeschäft

Matthias Nawrat

Das Juweliergeschäft

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Gesundbrunnen — Badstraßenkiez

In der Badstraße hat das Juweliergeschäft Işin eröffnet. Goldschmuck ist wieder beliebt, war schon immer beliebt. 

Herr Hamadi

Matthias Nawrat

Herr Hamadi

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Gesundbrunnen — Gesundbrunnenviertel

Sogar der Frisör hat aufgemacht. Dabei hätte ihm das Hämmern und Vibrieren, das von der Baustelle auf der anderen Seite des kleinen Platzes bis in seinen Laden dringt, wenigstens am Vormittag noch erspart bleiben können. Wer kommt schon am Vormittag zum Haare Schneiden.

Neue Händler

Matthias Nawrat

Neue Händler

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Neukölln — Reuterkiez

Im arabischen Viertel wurde ein Gerüst aufgestellt. Darunter, im Schatten des Gangs, der den Gehsteig vor den Geschäften einengt und der mit einer Plane verdunkelt ist, haben die neuen Händler endlich einen Ort gefunden, an dem sie auf dem Boden ihre Tücher ausbreiten können.

Nachbarschaftswache

Maruan Paschen

Nachbarschaftswache

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Neukölln — Körnerkiez

Einer wartet im Dunkeln darauf, dass alles vorbei ist. Einer lässt seinen Blick wandern, so weit es geht. Es geht nicht weit. Der Blick flieht zurück in den Kopf von einem, einer, der die Augen schließt. 

Komşu Komşuuu – Huhu, Nachbar

Büke Schwarz

Komşu Komşuuu – Huhu, Nachbar

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Gesamtberlin

Denke ich an Nachbarschaften, dann denke ich an die hohen Schuhe meiner Anneanne. Und die Stoffpantoffeln, die plötzlich vor ihrer Haustür lagen. Eine klare Reaktion aus den „Klang“, den ihre Holzabsätze verräterisch auf den Treppen hinterließen.

Was ist Nachbarschaft? Wie geht Nachbarschaft?

Anna Steigemann

Was ist Nachbarschaft? Wie geht Nachbarschaft?

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Neukölln — Körnerkiez

Seit ihren Anfängen prognostiziert die Stadtforschung regelmäßig das Aus der Nachbarschaft. Während sich die dörfliche Gemeinschaft im 19. Jahrhundert mit der Industrialisierung oftmals in neue städtische, (manchmal nur vermeintlich) freier gewählte Nachbarschaften auflöste, wurden auch diese urbanen Nachbarschaften in Wellen für erodierend erklärt.

hoi, wem ghörsch?

Isabel Wanger

hoi, wem ghörsch?

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Kreuzberg — Graefekiez

hoi, wem ghörsch. fragt man in liechtenstein, wenn man jemand neues kennenlernt. die einzig richtige antwort ist der name des vaters, weil dem gehörst du.

Wörter in Nachbarschaft: avenidas auf dem Weg durch Berlin

Tobias Wilke

Wörter in Nachbarschaft: avenidas auf dem Weg durch Berlin

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Hellersdorf — Hellersdorf Nord

Im Februar 2019 brachte die Hellersdorfer Wohnungsgenossenschaft Grüne Mitte das Gedicht avenidas von Eugen Gomringer an der Fassade eines ihrer Gebäude in der Kyritzer Straße an. In schwarzen Lettern aus Metall wurde der Text in zwei Versionen – spanisch und deutsch – auf die weiße Außenwand des fünfgeschossigen Wohnblocks montiert.

Nachbarschaften in Libidissi

Stefan Willer

Nachbarschaften in Libidissi

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Umland

Für seinen 1998 erschienenen Debütroman Libidissi hat Georg Klein einen merkwürdigen Ort erfunden: die titelgebende Stadt Libidissi. Allerdings kann man bis zum Ende des Romans nur vermuten, dass es sich bei dem Titelwort um einen Ortsnamen handelt. 

Zwischen amerikanischer Color-Line und deutscher Teilung

Gianna Zocco

Zwischen amerikanischer Color-Line und deutscher Teilung

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Schöneberg — Nollendorfkiez

Afroamerikanische Autor*innen fühlen sich Deutschland – und insbesondere der deutschen Bundeshauptstadt – näher, als man glaubt. Diese These und die überraschend unterschiedlichen historischen, politischen und kulturellen Konstellationen, anhand derer sie sich belegen lässt, ist mit den Namen einiger der einflussreichsten afroamerikanischen Denker*innen verknüpft…

Good fences make good neighbors.

Robert Frost, Mending Wall, 1914

Über das Projekt

Die Anthologie NACHBARSCHAFTEN, herausgegeben von Christina Ernst und Hanna Hamel, ist eine Publikation des Interdisziplinären Forschungsverbunds (IFV) „Stadt, Land Kiez. Nachbarschaften in der Berliner Gegenwartsliteratur“ am Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung in Berlin. Seit 2019 erforscht das Projekt das Phänomen der Nachbarschaft in der Gegenwartsliteratur und bezieht dazu auch Überlegungen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen mit ein. In der im November 2020 online gestellten Anthologie können Leser*innen durch aktuelle Positionen und Perspektiven aus Literatur und Theorie flanieren, ihre Berührungspunkte und Weggabelungen erkunden und sich in den Nachbarschaften Berlins zwischen den Texten bewegen.