Wie er sich früh schon ein oder zwei Schaltjahre beengt
im Treppenhaus herumdrückt und erst entweicht
als sich die Ströme neuer Mieter einen Spalt weit auftun

Ihm aus dem Fenster nachzusehn wie von Bäumen, Abgang
im Kastanienhagel, und gleich darüber weißes Rauschen
lässt auf Winterpigmente schließen, als er die Kreuzung erreicht

Diese Art sich noch einmal umzudrehn, in Fallrichtung des Laubs
formt schon zu Erde den Hang, über den er am Abend
heraufkommen will, von der Arbeit zurück nach Haus

Und in der Ferne? Nur zu erahnen: ein runder Geburtstag
ragt als Wurzel heraus, die er leichtfüßig nimmt
Was er wohl dachte, dort, wo am Ende die Straße verglimmt

Weitergehen

Treppenhaus

Ich stieg in den vierten Stock hinauf. Aus allen Wohnungen verliefen Kabel ins Treppenhaus hinein, manche Türen standen offen…

Geburtstag

Ob Geburtstag, Taufe, Heiratsantrag oder Hochzeit – oder einfach als Beweis von Zuneigung

Fenster

Stehe ich heute an meinem Fenster zum Hof, dann beobachte ich ganz andere Nachbarschaften.

Kreuzung

in mitte sind die zu reichen, spandau wird ignoriert, an der kreuzung nebenan gibt es 2 türkische möbelläden

Mieter

The ordinary tenant competed with squatters rather than with capital for housing. This changed drastically in subsequent years…

Arbeit

…Wohn- und Hausprojekte, die haushaltsübergreifende, nachbarschaftliche Hilfsnetze organisieren, um Arbeit, Kinderbetreuung und Haushalt besser vereinbaren zu können

Laub

The delicate spikey leaves are covered in white spots.

Bäume

…wo der ununterbrochene Autoverkehr zur leisen Geräuschkulisse wird, trifft man plötzlich auf einen zwischen den Bäumen sitzenden nackten jungen Mann.

Innerhalb des Öffentlichen erscheint das Private als ein Eingegrenztes und Eingezäuntes, und die Pflicht des öffentlichen Gemeinwesens ist es, diese Zäune und Grenzen zu wahren, welche das Eigentum und das Eigenste eines Bürgers von dem seines Nachbarn trennt und gegen ihn sicherstellt.

Hannah Arendt, Vita activa, 1958

Über das Projekt

Die Anthologie NACHBARSCHAFTEN, herausgegeben von Christina Ernst und Hanna Hamel, ist eine Publikation des Interdisziplinären Forschungsverbunds (IFV) „Stadt, Land Kiez. Nachbarschaften in der Berliner Gegenwartsliteratur“ am Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung in Berlin. Seit 2019 erforscht das Projekt das Phänomen der Nachbarschaft in der Gegenwartsliteratur und bezieht dazu auch Überlegungen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen mit ein. In der im November 2020 online gestellten Anthologie können Leser*innen durch aktuelle Positionen und Perspektiven aus Literatur und Theorie flanieren, ihre Berührungspunkte und Weggabelungen erkunden und sich in den Nachbarschaften Berlins zwischen den Texten bewegen.