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Haustür

Kurz darauf klingelte er an der Haustür. Natürlich wusste ich, dass ihm die Augen herausfallen würden.

Reinickendorf

…den Vogel von Rainer G. Rümmler in Reinickendorf, die tieforangen Fliesen an der Frankfurter Allee, die den Untergrund im eisigsten Winter in ein warmes Licht tauchen.

Stalker

…die meisten Menschen, die im Souterrain leben, werden keine Stalker.

Katze

Liebe Kilou, manche Menschen fragen sich, was ihre Katze eigentlich den ganzen Tag macht.

Paket

Wir nehmen gegenseitig unsere Pakete entgegen, sind nett zueinander, aber nicht zu nett.

Wedding

Denn wie im Tagebuch nachzulesen ist, lebte er die letzten Jahre seines Lebens im Wedding und war fast täglich am Plötzensee baden.

Brief

Mehr als fünf Millionen Mal wurde diese Botschaft deshalb auf eine Briefmarke im Wert von 55 Cent gedruckt, dem damaligen Standardporto für einen Brief…

Treppe

Die alte Frau starrte mich böse an, ehe sie die Treppe zu ihrer Wohnung hinaufeilte.

Schuhe

Der Sohn wünscht sich solche Schuhe. Irgendwann vielleicht, warum eigentlich nicht?

anonym

In einem so anonymen und bedrohlichen Murmeln äußert sich das man.

Hof

Die späte Aufstellung der Paris-Plastik 1982 suggeriert, dass sie in Abstimmung mit den BewohnerInnen auf den Hof kam und nicht Teil der ursprünglichen Planung für den Wohnkomplex war.

Ein Nachbar ist des andern Fuss und Hand.

Wander, Deutsches Sprichwörter-Lexikon, 1873

Über das Projekt

Die Anthologie NACHBARSCHAFTEN, herausgegeben von Christina Ernst und Hanna Hamel, ist eine Publikation des Interdisziplinären Forschungsverbunds (IFV) „Stadt, Land Kiez. Nachbarschaften in der Berliner Gegenwartsliteratur“ am Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung in Berlin. Seit 2019 erforscht das Projekt das Phänomen der Nachbarschaft in der Gegenwartsliteratur und bezieht dazu auch Überlegungen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen mit ein. In der im November 2020 online gestellten Anthologie können Leser*innen durch aktuelle Positionen und Perspektiven aus Literatur und Theorie flanieren, ihre Berührungspunkte und Weggabelungen erkunden und sich in den Nachbarschaften Berlins zwischen den Texten bewegen.