In memoriam Wolfgang Kreher

I. Unter dem Pflaster der Strand
Der 1922 ermordete Walter Rathenau, wie sein Vater Chef der AEG, damals um die Ecke der Chausseestraße residierend, nannte Berlin 1908 den „Parvenu unter den Großstädten und die Großstadt der Parvenus. […] Genau genommen, ist die Großstadt Berlin gar nicht vorhanden. Was uns den Namen gibt, ist die Fabrikstadt, die im Westen niemand kennt[.]“1 Bis heute zeugen einige Läden mit dem Namen „Feuerland“ von den Ursprüngen dieser Fabrikstadt in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts.2 Gottfried Benn befand 1956: „Berlin ist überhaupt kein Begriff mehr, es ist unbekannt, vergessen, im märkischen Sand versunken wie Palmyra in der Wüste. Berlin liegt wie Angkor im Urwald.“3

Der märkische Sand, die Topik von Wüste, afrikanischer Sahara und syrischem Palmyra zieht sich durch viele literarische Berlin-Darstellungen seit dem frühen 19. Jahrhundert. Es ist derselbe Exotismus, der auch den Namen Feuerland für die erste Berliner Fabrikstadt prägte. Julius Rodenberg, einer der großen Feuilleton-Chronisten Berlins in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts, gleicht seinen Eindruck des Viertels mit den Kindheitserinnerungen des Berliner Dramatikers Karl Gutzkow von 1811 so ab: Von hier, „[v]om unheimlichen Vogtland“, „den Höhlen des Pauperismus“, erzählt Gutzkow in seinem Buch Aus der Knabenzeit, „zogen sich damals einsame, wie endlos scheinende Sandflächen bis nach Tegel […], bis zum Gesundbrunnen und einer Sahara-Wüste, die man den Wedding nennt, auf dessen tief im Sande angelegten Laufgräben, Schanzen und kleinen Belagerungsforts die Artillerie zu exercieren pflegte […].“4

Aber zu Rodenbergs Zeit geht es bereits abwärts bzw. nordwärts:

Denn die Richtung der Zeit geht in die noch wenig bebauten Lagen, wo Grund und Boden billiger und die Kohlen und das Eisen, durch die dorthin führenden Bahnen, näher sind. Aber immer noch ist die Borsigsche Maschinenbau-Anstalt, da, wo ehemals das Oranienburgertor war, gleich am Eingang der Chausseestraße, mit ihrem Turm, ihren Arkaden und den Emblemen und Figuren der Arbeit über ihrem Portal, das Wahrzeichen dieser Gegend – weithin sichtbar, wenn man die Friedrichstraße heraufkommt.5

Für seinen Ausflug hat Rodenberg einen Sonntag gewählt. Ziel seiner Fahrt im Pferdebahnwagen war das Dörfchen Tegel. Theodor Fontane hat dieselbe Route einige Jahrzehnte später auch beschrieben, empfahl aber den Fußweg durch den wüsten Wedding, der damals direkt an das große Industrieviertel an der Chausseestraße anschloss, das sich,

weite Strecken Landes bedeckend, aus Bahnhöfen und Kasernen, aus Kirchhöfen und Eisengießereien zusammensetzt. Diese vier heterogenen Elemente drücken dem ganzen Stadtteil ihren Stempel auf; das Privathaus ist eigentlich nur insoweit gelitten, als es jenen vier Machthabern dient. Leichenzüge und Bataillone mit Sang und Klang folgen sich in raschem Wechsel oder begegnen einander; dazwischen gellt der Pfiff der Lokomotive, und über den Schloten und Schornsteinen weht die bekannte schwarze Fahne. […] So zieht sich die Oranienburger Vorstadt bis zur Pankenbrücke; jenseits derselben aber ändert sie Namen und Charakter. Der sogenannte „Wedding“ beginnt, und an die Stelle der Fülle, des Reichtums, des Unternehmungsgeistes treten die Bilder jener prosaischen Dürftigkeit, wie sie dem märkischen Sande ursprünglich eigen sind. […] Die Oranienburger Vorstadt in ihrer jetzigen Gestalt ist das Kind einer neuen Zeit und eines neuen Geistes; der „Wedding“ aber […] ist noch im Einklang mit dem alten nationalen Bedürfnis, mit den bescheideneren Anforderungen einer früheren Epoche gebaut […] Grün und gelb und rot wechseln die Häuser und liegen doch da wie eingetaucht in ein allgemeines, trostloses Grau. Den kläglichsten Anblick aber gewähren die sogenannten Vergnügungsörter. […] Wie Ironie tragen einige die Inschrift „Zum freundlichen Wirt“. Man glaubt solcher Inschrift nicht.6

Walter Benjamin schreibt noch später, in den zwanziger und dreißiger Jahren, als auch der letzte Sand unter Pflaster und Asphalt verschwunden ist und die Wüste nur noch phantasmagorisch existiert. Für den Erwachsenen, der als Kind von dem Stettiner Bahnhof, der in der geteilten Stadt Teil der Grenzmauer und Geisterbahnhof wurde, an die Ostsee gefahren war, besitzt dieser Ort einen morgenländischen Zauber: „Es ist, glaube ich, seit der Zeit, daß die Dünenlandschaft der Ostsee für mich hier in der Chausseestraße als eine Fata morgana auftaucht, gestützt nur auf die gelben sandigen Farben des Bahnhofsgebäudes und die Vorstellung des hinter seinen Mauern schrankenlos sich öffnenden Horizonts.“7

Fontane konnte den Ausflugsstätten der Gegend nicht viel abgewinnen. Exotischere Welten für alle und ohne lange Wege boten ab den zwanziger Jahren die großen Kaufhäuser. 1928 erwarb Hermann Tietz das nach der sogenannten Arisierung 1933 Hertie genannte Warenkaufhaus an der Chausseestraße 69 bis 71. Franz Hessel entziffert hier in den zwanziger Jahren die Heraufkunft der Dienstleistungsgesellschaft:

Die Verkäufer und Verkäuferinnen haben den „Dienst am Kunden“ von Grund auf studiert. Die großen Kaufhausfirmen haben Schulen ins Leben gerufen, in denen Lehrer, die an Handelshochschulen vorgebildet sind, den jungen Mädchen Anschauungsunterricht über die Behandlung der Ware und der Kunden geben. Wir ahnen gar nicht, was für geschulten Künstlerinnen des Verkaufs und der richtigen Suggestion wir gegenüberstehn, wenn uns die kleinen Fräulein von Wertheim und Tietz sanft in ihren Bannkreis ziehen.8

Ein anderer Ort des kollektiven Vergnügens waren die Ballhäuser, von denen eines noch in der Chausseestraße 102 existiert und von sich behauptet, es ginge dort auch heute noch so bunt zu wie in den Goldenen Zwanzigern. Schon damals gab es in diesem Ballhaus Tischtelefone. Siegfried Kracauers scharfem Blick ist nicht entgangen, dass diese seltsame Einrichtung nicht nur Mimikry an den Alltag betrieb, sondern den Besuchern auch die Illusion einer Chefetage vorgaukeln sollte:

Auf jedem der vielen Tische befindet sich:
1. ein Telephonapparat, der zur Verbindung mit der Außenwelt der übrigen Tische dient;
2. eine Rohrpostanlage, die den brieflichen Gedankenaustausch mit sämtlichen Personen im Raum ermöglicht;
3. eine Signalvorrichtung, mit deren Hilfe öffentlich bekannt gegeben werden kann, ob man an dem Tisch: a) einen Tänzer, b) eine Tänzerin, c) keine Störung wünscht.
Kurzum, die technischen Installationen sind von einer Vollkommenheit, die der Direktionsabteilung eines Konzerns Ehre machte. Ihre Hauptaufgaben bestehen zweifellos darin, den tagsüber rationalisierten Besuchern abends die Anstrengung abzunehmen, die sie ein Amüsement auf eigene Faust kostete: in kleineren Angestellten die Illusion zu erwecken, sie seien ihre persönlichen Vorgesetzten; das Publikum von der Angst vor einer Apparatur zu befreien, die für gewöhnlich kein harmloses Spielzeug ist, sondern bitterer Ernst.9

Fortschrittlich ging es auch gender-technisch im Ballhaus der Zwanziger Jahre zu. Hessel schreibt, dass sich dort „[i]m Schummerlicht farbiger Ampeln“ auch Pärchen gleichen Geschlechts bewegten:

Ihr Treiben, früher einmal ein kühner Protest gegen die herrschenden Sittengesetze, ist mit der Zeit ein ziemlich harmloses Vergnügen geworden. […] Früher, so kommt es mir vor, muß das alles sündhafter gewesen sein. […]…10

Die wilde Großstadt, das „märkische Ninive“, wie Döblin Berlin nannte,11 ist wohl doch eher ein dummes Babel, wie Brigitte Reimann 1960 festhielt.12 Von Rodenberg und Fontane bis zu Hessel und Benjamin: verblichener oder verbleichender Glanz.

II Die Straße und ihre Gattungen
Mit Rodenberg, Fontane, und Benjamin ist auch schon eine literarische Gattung aufgerufen, die maßgeblich dafür gesorgt hat, dass wir so viel von dem wissen, was einmal war und nicht mehr ist. Am Übergang von Publizistik und Literatur bildeten sich im 19. Jahrhundert die kleinen Prosaformen der Stadtbeschreibungen und des Feuilletons heraus. Einer ihrer Wegbereiter war Heinrich Heine, der 1821 nach Berlin kam: „[I]ch muß jetzt davon sprechen, was die Leute singen und sagen bey uns an der Spree. Was sie klingeln und was sie züngeln, was sie kichern und klatschen.“13 – „Wenn Sie vom Hallischen nach dem Oranienburger Thore […] gehen, hören sie jetzt immer und ewig dieselbe Melodie, das Lied aller Lieder – ‚den Jungfernkranz‘“,14 also die Oper des Freischütz, die im 19. Jahrhundert noch mächtig nachhallen wird.

‚Wenn Sie von hier nach dort gehen…‘ Die moderne Stadtbeschreibung in kurzen Prosa-Vignetten ist eng verschränkt mit einer Kulturtechnik, die so alt nicht ist, wie man denken sollte: Das städtische Spazierengehen und Flanieren ist sowohl Voraussetzung wie Organisationsprinzip dieser gerade auch in der Weimarer Zeit prominenten Gattung – mit der Autoren wie Hessel, Kracauer oder Benjamin sich in den Jahren der Inflation finanziell über Wasser zu halten suchten.15 Im Drama ist die Straßenszene erst mit Brechts Epischem Theater heimisch geworden. Aber schon im 19. Jahrhundert wanderte die Straße in die große Prosa-Gattung des Romans ein. Der erste deutsche Roman mit einer Straße im Titel ist Wilhelm Raabes Die Chronik der Sperlingsgasse von 1857, deren reales Vorbild, die Spreegasse in Mitte, 1951 zu Raabes Ehren in „Sperlingsgasse“ umgetauft wurde. Aber noch davor hat ein anderer Berliner die Straße erzählerisch nobilitiert. E.T.A. Hoffmanns letzter Text, diktiert, als er schon vollständig gelähmt war, erzählt von einem alten Mann, der, ebenfalls krank, die Straße und das Treiben in ihr beschreibt. Allerdings protokolliert dieser Erzähler am Eckfenster noch aus einer privilegierten Überblicks-Position aus. Anders rückt die Straße im spektakulären Auftakt von Fontanes Roman Stine in den Blick, der 1890 erschien. Die alleinerziehende Pauline Pittelkow, die sich mit den Zuwendungen eines mit ihr liierten Aristokraten über Wasser hält, setzt sich in Szene:

In der Invalidenstraße sah es aus wie gewöhnlich: die Pferdebahnwagen klingelten und die Maschinenarbeiter gingen zu Mittag, und wer durchaus was Merkwürdiges hätte finden wollen, hätte nichts anderes auskundschaften können, als daß in Nummer 98e die Fenster der ersten Etage – trotzdem nicht Ostern und nicht Pfingsten und nicht einmal Sonnabend war – mit einer Art Bravour geputzt wurden. Und nicht zu glauben, diese Merkwürdigkeit ward auch wirklich bemerkt, und die schräg gegenüber an der Scharnhorststraßen-Ecke wohnende alte Lierschen brummte vor sich hin: „Ich weiß nicht, was der Pittelkow’n wieder einfällt. […] Wie sie man bloß wieder dasteht und rackscht und rabatscht! Und wenn es noch Abend wär’, aber am hellen, lichten Mittag, wo Borsig und Schwarzkoppen seine grade die Straße ‘runterkommen. Is doch wahrhaftig, als ob alles Mannsvolk nach ihr ‘raufkucken soll; ’ne Sünd’ und ’ne Schand.“16

Die dritte literarische Berlin-Gattung ist bis heute das Gedicht. Diese Tradition begann einerseits mit der naturalistischen Lyrik des späten 19. Jahrhunderts, insbesondere Arno Holz, dem Dichter des Wedding, und sodann, etwas später, mit der expressionistischen Großstadtlyrik. Ein Beispiel aus Holzens Lyrikzyklus Phantasus von 1899 über die Mietskasernen:

Ihr Dach stieß fast bis an die Sterne
Vom Hof her stampfte die Fabrik,
Es war die richtige Miethskaserne
Mit Flur- und Leiermannsmusik!
Im Keller nistete die Ratte
Parterre gab’s Branntwein, Brot und Bier,
Und bis ins fünfte Stockwerk hatte
das Vorstadtelend sein Quartier.17

III Die Lebenden und die Toten
Die Liste der Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die zu Zeiten in und um die Chausseestraße herum gewohnt haben, ist lang. Zählt man noch die hinzu, die auf einem der zahlreichen Friedhöfe ihre letzte Bleibe fanden, dürfte man es mit einer vielleicht einzigartigen Literaten-Dichte zu tun haben – und wegen der Friedhöfe übrigens schon im 19. Jahrhundert häufig auch mit Staus auf der Chausseestraße, wo, so beschreibt es Fontane, „wie gewöhnlich in dieser kirchhofreichen Gegend, ein großes Begräbnis die Straßenpassage hemmte.“18

Eines der größten, aber auch schwierigsten Denkmäler der Toten, die es an der Chausseestraße bei Demonstrationen und Schlägereien 1918 und 1933 gegeben hat, ist der zwischen 1975 und 1981 erschienene Monumentalroman Ästhetik des Widerstands von Peter Weiss. Den Ich-Erzähler quält die Frage nach der Bedeutung von Kunst und Literatur für eine politische Existenz. Auch mitten in einem Fliegeralarm lässt sie ihn nicht los:

Beim Lauf vom Untergrundbahnhof Schwartzkopfstraße, über die Chausseestraße hinweg, zur Pflugstraße, unterm Heulen der Alarmsirenen, vom Blockwarten aufgerufen, die mich in den nächsten Luftschutzkeller treiben wollten, verfolgt vom Trillern ihrer Pfeifen saß eine Frage in mir fest, und diese verlangte […] eine Antwort darauf, ob alle Beschäftigung mit Büchern und Bildern nicht doch nur eine Flucht gewesen war, weg von den praktischen, überwältigenden Problemen, gleiche atemlose panische Flucht wie dieses Jagen übers regenblanke Pflaster.19

An den Verleger Peter Suhrkamp schreibt Brecht 1954: „Ich wohne jetzt in der Chausseestraße, neben dem ‚französischen‘ Friedhof, auf dem Hugenottengeneräle und Hegel und Fichte liegen, meine Fenster gehen alle auf den Friedhofpark hinaus. […] Seit ich dem Theater so viel näher wohne, habe ich meine jungen Leute noch öfter auf dem Hals, sie kommen in Rabenschwärmen, aber Sie wissen, ich bin dafür“.20 Einer von den Jungen, die zu Besuch kamen, war der Schriftsteller Günter Kunert. 1970 berichtet er von

der Chausseestraße, wo ich geboren bin und wo ich viel später, in einer nachmaligen Existenz, manchmal über einen Hinterhof ging, dessen Katzenkopfpflaster moosig-grün verfärbt war, um dort eine rechtens so geheißene Stiege zu einer Wohnung hinaufzusteigen, von der aus man auf den Dorotheenstädtischen Friedhof hinabblickte, auf welchen der Wohnungsinhaber nach einiger Zeit verzog; dort liegt er jetzt gegenüber Fichte und Hegel und hat für seine dialektischen Späße die richtige Gesellschaft.21

Knapp zehn Jahre zuvor hat Wolf Biermann anlässlich des an Brechts letztem Wohnort gegründeten Archivs eine Begegnung des nicht tot zu Kriegenden mit Nachwelt und Nachlass zum Gegenstand eines Gedichts gemacht:

Drei Jahre nach seinem Tode ging Herr Brecht
vom Hugenotten-Friedhof
die Friedrichstraße entlang,
zu seinem Theater
Auf dem Wege traf er
zwei dicke Fraun
einen dicken Mann
einen Jungen.
Was, dachte er, das sind doch die
Fleißigen vom Brechtarchiv
Was, dachte er, seid ihr immer
noch nicht fertig mit dem Ramsch?
Und er lachte sich eins
Daß er denen so viel Arbeit
gemacht hatte
(langweilig, solche Arbeit)
Und er lächelte unverschämt
bescheiden
und war zufrieden.22

Der Dorotheenstädtische Friedhof an der Chausseestraße, auf dem nicht nur Hegel und Fichte, Brecht und Heiner Müller begraben sind, sondern auch Heinrich Mann, Anna Seghers, die Architekten Schinkel und Stühler, natürlich die Familie Borsig und viele andere Berliner Persönlichkeiten, galt schon zu DDR-Zeiten als „Prominentenfriedhof“.23 Bis heute ranken sich folglich wilde Gerüchte um die Frage, wer denn zu welchen Bedingungen dort bestattet werden kann, die der Pfarrer der zuständigen Dorotheestädtischen und Friedrichswerderschen Gemeinde jedoch entschieden dementiert. Im März 2023 fand auf diesem Friedhof in gerader Linie und sozusagen auf Sichtweite zum ehemaligen Brecht- und Weigel-Wohnhaus am Eingang des Friedhofs einer seine letzte Ruhe, der ein besonderes Interesse an der Bau- und Kulturgeschichte Berlins hatte. Obwohl er im Hauptberuf viele Jahre Geschäftsführer der Geisteswissenschaftlichen Zentren Berlins war, hat Wolfgang Kreher immer wieder die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Orte, an denen er und die übrigen Beschäftigten der Geisteswissenschaftlichen Zentren arbeiteten, gesucht.24 Erst bei der Beisetzung an jenem Frühlingstag wurde bekannt, dass sein besonderes Augenmerk stets dem Dorotheenstädtischen Friedhof gegolten hatte. Die geisteswissenschaftlichen Zentren haben ihm viel zu danken.

  1. Walther Rathenau: „Die schönste Stadt der Welt“ (1899), in: ders.: Gesamtausgabe, hg. von Alexander Laser, Bd. 1: Schriften der Wilhelminischen Zeit. 1885–1914, Düsseldorf 2015, S. 230–247, hier S. 232 f.
  2. Vgl. ausführlicher Holger Schmale: Chausseestraße. Berliner Geschichte im Brennglas, Berlin 2022.
  3. Gottfried Benn: „Berlin zwischen Ost und West“, in: ders.: Sämtliche Werke, hg. von Ilse Benn/Gerhard Schuster unter Mitarbeit von Holger Hof, Bd. 6: Prosa 4, Stuttgart 2001, S. 228–230, hier S. 230.
  4. Karl Gutzkow: Aus der Knabenzeit (1852). Textkritische und kommentierte Ausgabe, hg. von Peter Hasubek. Hildesheim u.a. 2013, S. 79.
  5. Ebd., S. 169.
  6. Theodor Fontane: „Wie man in Berlin so lebt“. Beobachtungen und Betrachtungen aus der Hauptstadt, hg. von Gotthard Erler, Berlin 2000, S. 129–131.
  7. Walter Benjamin: Berliner Chronik, in: ders.: Gesammelte Schriften, hg. von Rolf Tiedemann/Hermann Schweppenhäuser, Bd. 6: Fragmente vermischten Inhalts. Autobiographische Schriften, Frankfurt a. M. 1985, S. 465–519, hier S. 469.
  8. Franz Hessel: Spazieren in Berlin. Beobachtungen im Jahr 1929, Berlin 1979, S. 30.
  9. Siegfried Kracauer: „Spuk im Vergnügungslokal“ in: ders.: Straßen in Berlin und anderswo, mit einem Essay von Gerwin Zohlen, Berlin 1987, S. 67–69, hier S. 67.
  10. Hessel: Spazieren in Berlin (Anm. 8), S. 46 f.
  11. Alfred Döblin: „Das märkische Ninive“ (1910), in: ders.: Kleine Schriften, hg. von Anthony W. Riley, Bd. 1: 1902–1920, Olten/Freiburg i. Br. 1985, S. 77–78.
  12. Brigitte Reimann: Das Geständnis, Berlin 1960.
  13. Heinrich Heine: „Briefe aus Berlin“, in: ders.: Historisch-kritische Gesamtausgabe der Werke in 16 Bänden, in Verbindung mit dem Heinrich-Heine-Institut hg. von Manfred Windfuhr, Bd. 6: Briefe aus Berlin; Über Polen; Reisebilder I/II, Hamburg 1973, S. 7–53, hier S. 20.
  14. Ebd., S. 21.
  15. Vgl. Eckart Köhn: Straßenrausch. Flanerie und kleine Form. Versuch zur Literaturgeschichte des Flaneurs bis 1933, Berlin 1989.
  16. Theodor Fontane: Stine, in: Das erzählerische Werk. Große Brandenburger Ausgabe, hg. von Christine Hehle, Bd. 11, Berlin 2000, S. 5.
  17. Arno Holz: „Phantasus“, in: ders.: Das Buch der Zeit. Lieder eines Modernen, Zürich 1886, S. 394–419, hier: S. 394.
  18. Fontane: Stine (Anm. 16), S. 15.
  19. Peter Weiss: Die Ästhetik des Widerstands, Berlin 2016, S. 109.
  20. Bertolt Brecht: Brief vom 8. März 1954, in: ders.: Werke, hg. von Günter Glaeser, Bd. 30: Briefe 3. 1950–1956, S. 231–232, hier S. 231 f.
  21. Günter Kunert: Berliner Gemäuer (1970), in: Susanne Schüssler/Linus Guggenberger (Hg.): Berlin. Eine literarische Einladung, Berlin 2017, S. 27–29, hier S. 27.
  22. Wolf Biermann: „Herr Brecht“, in: Alle Lieder, Köln 1992, S. 49.
  23. Vgl. Alfred Etzold/Wolfgang Türk: Der Dorotheenstädtische Friedhof, Berlin 2002, S. 29.
  24. Vgl. Wolfgang Kreher/Ulrike Vedder (Hg.): Von der Jägerstraße zum Gendarmenmarkt. Eine Kulturgeschichte der Friedrichsstadt, Berlin 2006; Wolfgang Kreher/Mathias Hopp (Hg.): Der Mittelhof von Hermann Muthesius in Berlin Nikolassee. Ein Bau- und Gartendenkmal im Wandel der Zeiten, Berlin 2005.

Weitergehen

Chausseestraße

Nach dem Denkmalbesuch im Wedding radle ich am Nordufer weiter über die Fennbrücke zur Müllerstraße und biege rechts in die Chausseestraße ein.

Wedding

Berlin — Wedding: Aber auch an die Zeit in der die Fenster unserer Parterre-Wohnung nachts geschlossen blieben, wegen eines Stalkers.

Friedhof

Wenn sie über den Friedhof geht, sucht sie nach dem Grab der jüngsten Person auf dem Friedhof.

Gesundbrunnen

In Richtung Wittenau nehm’ ich die Bahn gern bis Gesundbrunnen. Dann geht es weiter mit der Regionalbahn aufs Land.

DDR

Und wenn er droht, in die Nordsee zu fliehen, ahne ich nichts von der möglichen Analogie zwischen Fisch und DDR-Bürger*innen.

Mietskaserne

Nur noch selten findet man heute in den Hauseingängen der Berliner Mietskasernen aus der Gründerzeit einen Stillen Portier.

Nachwelt

Wo Herrndorf für die Nachwelt schreibt und so den Tod als eine zu überschreitende Schwelle zum beendeten Werk sieht, dort will Goetz für die Gegenwart und das aktuelle Leben schreiben.

Mitte

Die Berliner Philharmonie bildet heute die dem Großen Tiergarten zugewandte Nordseite des als ‚Kulturforum‘ bezeichneten Areals an der Schnittstelle der Stadtteile Tiergarten, Mitte, Kreuzberg und Schöneberg.

Hinterhof

„Das kaputte Altbauberlin. Ruinöse Hinterhöfe, Brandwände. All das, was es im Osten gab. Zuhauf.“

Fliegeralarm

Ebenso ließe sich pointenreich schildern, wie Zuse die Arbeit im Industriehof in der Oranienstraße 6 bei täglichem Fliegeralarm unbeirrt fortsetzte.

Übergang

Zu finden ist dieser als „Schleuse“ (26) bezeichnete Übergang für die Ausländer nur mithilfe der Einheimischen.

Straßenszene

Das funktioniert zum einen durch detailliert ausgestaltete Panels, die Innen- und Straßenszenen zeigen.

Moos

Moose können auf diese Weise Orte besetzen, die anderen Pflanzen zu wenig Halt bieten.

Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.

Friedrich Schiller

Über das Projekt

Die Anthologie NACHBARSCHAFTEN, herausgegeben von Christina Ernst und Hanna Hamel, ist eine Publikation des Interdisziplinären Forschungsverbunds (IFV) „Stadt, Land, Kiez. Nachbarschaften in der Berliner Gegenwartsliteratur“ am Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung in Berlin. Seit 2019 erforscht das Projekt das Phänomen der Nachbarschaft in der Gegenwartsliteratur und bezieht dazu Überlegungen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen mit ein. In der im November 2020 online gestellten Anthologie können Leser*innen durch aktuelle Positionen und Perspektiven aus Literatur und Theorie flanieren, ihre Berührungspunkte und Weggabelungen erkunden und sich in den Nachbarschaften Berlins zwischen den Texten bewegen.