Über Nachbarschaftskonzepte und ‑praktiken in der Stadtforschung

Seit ihren Anfängen prognostiziert die Stadtforschung regelmäßig das Aus der Nachbarschaft. Während sich die dörfliche Gemeinschaft im 19. Jahrhundert mit der Industrialisierung oftmals in neue städtische, (manchmal nur vermeintlich) freier gewählte Nachbarschaften auflöste, wurden auch diese urbanen Nachbarschaften in Wellen für erodierend erklärt.1 Richtig ist, dass soziale Ungleichheit sich räumlich immer wieder in der Stadt niederschlägt. Sie hat grundsätzlich stark zugenommen und konzentriert sich räumlich zunehmend schärfer. Zudem haben neue (digitale) Kommunikationstechniken, der Strukturwandel und neue Mobilitätsmuster Nutzen und Funktion von Nachbarschaft als soziale Praxis und geteiltes Territorium stark verändert. Benachbart sein oder in räumlicher Nähe wohnen heißt aufgrund der gestiegenen Ungleichheiten, divergierender Werte, Normen und Alltagsroutinen nicht automatisch, dass Menschen auch miteinander interagieren oder dies überhaupt wollen. Je freier Menschen ihr Wohnungsumfeld wählen können, desto eher und mehr interessieren sie sich dafür. Da aber soziale Ungleichheiten in Deutschland oft auch räumlich sehr nah bei- und nebeneinander existieren – wie etwa bei Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern auf der einen Straßenseite und sozialem Wohnungsbau oder informellen Siedlungen auf der anderen – heißt das nicht, dass Nachbar*innen die gegenseitige Anwesenheit begrüßen oder sich kennen lernen möchten. Nachbarschaft als ein Konzept, das auf einer geteilten geographischen Einheit basiert, kann also immer auch (konflikthaftes, ausgrenzendes) Zusammen- oder Nebeneinanderleben mit (nicht nur) sozio-ökonomisch ähnlich oder anders strukturierten Menschen bedeuten.2 Ob Nachbar*innen sich dann in Zeiten der Krise helfen können oder wollen, ist nicht automatisch durch die physische Nähe bedingt und bleibt daher eine empirische Frage.

Die Auflagen und Regelwerke durch die Corona-Maßnahmen und der Aufruf zu ‚social distancing‘ haben dieses Missverständnis deutlich gemacht: Physische Nähe bedeutet nicht soziale Nähe. Leider haben sowohl die Virolog*innen als auch die Politiker*innen das in ihren Empfehlungen verwechselt. Dies ist unter anderem deshalb problematisch, weil die Stadtforschung bereits in den 1950er Jahren aufgezeigt hat, dass physische Nähe im Falle der sozialräumlichen Ungleichheit meist eher zu Entfremdung und Konflikten führt als zu wirklichem Austausch.3 Heute leben in vielen Innenstadtbezirken nicht nur sozioökonomisch, sondern auch demographisch und kulturell sehr unterschiedliche Menschen und Milieus nebeneinander, was eine wunderbare Bereicherung darstellt und charakteristisch ist für Urbanität (definiert als Dichte, Größe und Heterogenität).4 Damit Menschen sich nahekommen oder überhaupt miteinander interagieren, bedarf es aber mehr als der räumlichen Nähe. Während sich Mittel- und Oberschichten freiwillig ihren Wohnstandort und damit die sozialräumliche Umgebung für potentiell gelebte Nachbarschaft suchen können, landen sozioökonomisch schlechter gestellte Menschen oft an Orten mit mangelnder Versorgungsinfrastruktur und einer Sozialstruktur, die aus größtenteils ebenfalls eher unfreiwillig dort Wohnenden besteht. Gleichzeitig leben heute die Menschen, die einer Person sozial nahestehen, über die ganze Stadt, das ganze Land oder den ganzen Globus verteilt. Aus epidemiologischer Sicht ist es in Zeiten der Pandemie ratsam, physisch auf Distanz zu gehen – sozial muss dies den Beziehungen dagegen keinen Abbruch tun. Die fälschlicherweise als ‚social distancing‘ bezeichneten Maßnahmen beeinflussen daher bestehende soziale Netzwerke weniger als häufig angenommen, da deren Mitglieder zum einen nicht unbedingt besonders nahe beieinander wohnen und zum anderen ein Großteil der Beziehungspflege über digitale Kommunikationskanäle oder Telefon organisiert wird. Trotzdem fühlen sich viele Menschen einsam, da auch (Video-)Telefonate keine körperliche Nähe und unmittelbare Kommunikation im gleichen Raum ersetzen können und deutlich selektiver stattfinden als Interaktionen im öffentlichen Raum.

Heute machen der gestiegene Wohlstand, (digitale) Kommunikationstechnologien, neue Mobilitätsmuster und die soziale Absicherung nachbarschaftliche Hilfssysteme für viele Menschen weitestgehend überflüssig. Freundschaften, berufliche Netzwerke und öffentliche Institutionen decken einen Großteil der ehemals in der Nachbarschaft verorteten sozialen Bedürfnisse und Aktivitäten ab. Nachbar*innen sind nicht mehr primäre Informationsquelle und Hilfesystem.5 Informationsaustausch unter Nachbar*innen ist meist eher auf kurzen Smalltalk und Grüßen reduziert, gleichzeitig aber auch wichtig, um sich z. B. gegen Verdrängung oder unwillkommene Bauvorhaben zu schützen und zu solidarisieren. Das zeigte sich beispielsweise in Kreuzberg und Neukölln, wo einander unbekannte Nachbar*innen sich kollektiv organisierten und teils erfolgreich den Vorkauf ihrer Häuser durch die jeweiligen Bezirke durchsetzen.6 Nachbarschaft stellt also nach wie vor eine wichtige soziale Infrastruktur dar, die aber nur noch zum Teil versorgerische Funktionen erfüllt.7

Es bleibt eine empirische Frage, ob territoriale Nachbarschaften überhaupt auch Gemeinschaften sind.8 Deswegen wird in neueren Untersuchungen Nachbarschaft meistens eher physisch-räumlich und nicht mehr als ein soziales Gefüge definiert: „[Q]uite simply, a neighborhood is a geographically circumscribed, built environment that people use practically and symbolically“.9 Viele Nachbarschaften werden daher heute auch eher als Quartiere denn als Sozialraum beschrieben, „der kleiner als ein (administrativ abgegrenzter) Stadtteil [ist], aber durchaus vielfältiger sein kann als ein Wohngebiet, das planungsrechtlich nur dem Wohnzweck dient.“10

Wo und mit wem Menschen zusammenwohnen, hängt hauptsächlich von ihren finanziellen Möglichkeiten und individuellen Wohn- und Nachbarschaftsvorstellungen, aber auch von Diskriminierungen und Ausschluss auf dem zunehmend finanzialisierten Wohnungsmarkt ab.11 Wenn Wohnungen zum Geldanlegen und nicht mehr zum Wohnen gekauft werden, hat das drastische Auswirkungen auf das städtische Sozialleben und damit auch auf die Bedingungen und Vitalität von Nachbarschaft. Die überwiegende Mehrheit der Berliner Viertel ist bisher sozial und ethnisch durchmischt. Durch die Finanzialisierung entmischen sich aber ganze Nachbarschaften, während überwiegend sozial und ethnisch deutlich homogenere geplant und neu gebaut werden. Mit zunehmender Entmischung und Gentrifizierung bleiben schließlich einige wenige benachteiligte Stadtgebiete zurück, in denen aufgrund mangelnder Ressourcen nachbarschaftliche Beziehungen umso wichtiger zur Bewältigung des Alltags und für den sozialen Austausch werden. Nachbarschaft ist dann vor allem auch der Aktionsraum für Menschen, die keine Alternativen und weniger räumliche Mobilität haben.12 Aufgrund steigender Mieten fallen zugleich immer mehr Menschen aus regulären Wohnverhältnissen heraus, wodurch gerade jene nachbarschaftlichen Sozialbeziehungen zerstört werden, welche für gesellschaftliche Teilhabe wichtig wären.

Nicht nur ärmere und ältere Stadtbewohnende haben ein größeres Interesse an intensiven Nachbarschaftsbeziehungen: Ein Beispiel für ausgeprägtes, aber sozial selektives nachbarliches Verhalten wären Wohn- und Hausprojekte, die haushaltsübergreifende, nachbarschaftliche Hilfsnetze organisieren, um Arbeit, Kinderbetreuung und Haushalt besser vereinbaren zu können. Diese eher „inszenierten Nachbarschaften“13 weisen meist einen ähnlichen höheren sozio-ökonomischer Status und Lebensentwürfe auf. Susanne Frank beschreibt diesen Prozess als „innere Suburbanisierung“14:

„Familienbezogenheit, sozioökonomische und ‑kulturelle Homogenität, Betonung von Privatheit und Gemeinschaft, Abgrenzung von der [restlichen] Stadt sowie Absicherung gegen die Gefahren und Unwägbarkeiten des Stadtlebens (Fremdheit, Kontingenz) […] [sind] ein untrügliches Zeichen dafür, dass mit den neuen Familiensiedlungen Wohnwünsche und ‑bedürfnisse in die Innenstädte verlagert werden, die bislang suburban verortet und erfüllt wurden“.15

In diesen Nachbarschaften ist es sehr wichtig, dass die Nachbar*innen einander in „ihrer sozioökonomischen Lage, ihren Interessen, Lebensstilen, normativen Orientierungen und Verhaltensweisen gleichen“.16 Der Wunsch nach Homogenität hat gerade in den gentrifizierten innerstädtischen Stadtquartieren immense Auswirkungen auf den öffentlichen Raum bzw. auf die gesamte soziale Infrastruktur. Während sie sich an den Bedürfnissen junger Mittelschichts- und Oberschichtsfamilien orientieren, schaffen sie zugleich eine ‚Fake-Urbanität‘ und verstärken Ausgrenzung und Marginalisierung all derjenigen, die sich die teuren Mieten nicht leisten können.17 Denn im Zuge dieser Entwicklung werden einkommensschwächere Menschen und all diejenigen, die das suburbane Idyll in der Stadt stören und nicht als Teil der Nachbarschaft gedacht werden, verdrängt. Dazu zählen nicht nur wohnungslose, suchtkranke oder geflüchtete Menschen, sondern auch tradierte niedrigschwellige Orte der vielfältigen Zusammenkunft wie Eckkneipen und andere Nachtlokale, Sitzbänke, Spätis und kleine Geschäfte, die durch Beschwerden und Anzeigen sowie steigenden Mieten und das Verschwinden ihrer Kundschaft verdrängt werden. So verkümmern oder verschwinden wichtige nachbarschaftliche Kontaktorte, an denen sich deutlich heterogenere Stadtbewohner*innen beobachten und kennen lernen konnten. Soziale Mikrointeraktionen – sich sehen, zunicken, smalltalken im Zuge von Alltagsroutinen – sind allerdings ganz wesentlich für Vergemeinschaftung.18 Nachbarschaftliche Beziehungsnetze sind heute also vor allem durch den Wegfall vieler dieser niedrigschwelligen Orte der Zusammenkunft gefährdet – derjenigen Orte, an denen auch genau jene Toleranz und Inklusion praktiziert und erneuert werden, die für das Zusammenleben in der Stadt der Vielfalt so wichtig sind.19

Das unterstreichen zum Beispiel die (Corona-bedingten) Gabenzäune und Einkaufshilfen in Berlin, die zuerst in den sozial und ethnisch gemischten Nachbarschaften aufgetaucht sind und nicht in den inszenierten Nachbarschaften der Mittel- und Oberschicht. Die dadurch neu entstandenen Beziehungen und Netzwerke und das nachbarschaftliche Gemeinschaftsgefühl prägen das Wissen über und die Wahrnehmung von Nachbarschaft auch weit über den Lockdown hinaus. Nachbarschaft verschwindet heute also keineswegs. Sie wandelt sich immer mehr von einer „räumlichen Tatsache, die sich sozial organisiert“ hin zur einer „sozialen Tatsache, die sich räumlich organisiert“.20 Sie findet aber an anderen Orten und unter veränderten Bedingungen statt.  Zudem nimmt sie im Lebensverlauf, je nach Kontext und sozialem Status, unterschiedliche Bedeutungen und Stellungen ein, wird grundsätzlich aber von Stadt- wie von Landbewohnenden als wichtige Qualität bewertet.21 Nachbarschaft ist somit eine räumliche Tatsache, die sich aber erst in der sozialen Interaktion konstituiert, wofür es konkreter Orte der Zusammenkunft bedarf. In der zunehmend hoch segregierten Stadt erneuert sich Nachbarschaft als temporär praktizierte Gemeinschaft nur in und durch sozial inklusive und niedrigschwellige Räume und die Interaktionsmöglichkeiten darin. Und selbst wenn diese vergemeinschaftenden Nachbarschaftsorte vorhanden sind, bewerten und suchen Menschen im Lebensverlauf und je nach Milieu ‚Nachbarschaft‘ in sehr unterschiedlicher Weise. Da sie aber insbesondere zur Alltagsbewältigung für vulnerable Gruppen wichtig ist, sollten wir uns weniger mit den Begrifflichkeiten als mit den konkreten Orten gelebter Nachbarschaft beschäftigen, diese schützen und die Bedingungen fördern, unter denen vielfältige und inklusive, also vor allem bezahlbare Nachbarschaft entstehen und sich entwickeln kann.

  1. Vgl. Alexander Mitscherlich: Die Unwirtlichkeit unserer Städte. Anstiftung zum Unfrieden, Frankfurt a.M. 1965; Olaf Schnur: „Nachbarschaft und Quartier“, in: Frank Eckardt (Hg.): Handbuch Stadtsoziologie, Wiesbaden 2012, S. 449–474.
  2. Vgl. Walter Siebel: „Ist Nachbarschaft heute noch möglich?“, in: Daniel Arnold (Hg.): Nachbarschaft, Köln 2009, S. 7–13.
  3. Zur Konflikthypothese vgl. Gordon W. Allport: The nature of prejudice, Cambridge 1954.
  4. Vgl. Louis Wirth: „Urbanism as a Way of Life“, in: American journal of sociology 44.1 (1938), S. 1–24.
  5. Vgl. Bernd Hamm: Betrifft: Nachbarschaft. Verständigung über Inhalt und Gebrauch eines vieldeutigen Begriffs, Düsseldorf 1973; Siebel: „Ist Nachbarschaft heute noch möglich?“ (Anm. 2); Schnur: „Nachbarschaft und Quartier“ (Anm. 1).
  6. Vgl. Martin Sarnow: „Wir kaufen den Kiez zurück“, in: suburban. zeitschrift für kritische stadtforschung 7.1/2 (2019), S. 115–136.
  7. Vgl. Anna Steigemann: „First Arrivals. The Socio-Material Development of Arrival Infrastructures in Thuringia“, in: Arrival infrastructures, London 2019, S. 179–205; dies.: The Places Where Community Is Practiced, Wiesbaden 2019.
  8. Bernd Kniess/Christopher Dell: „Nachbarschaften“, in: Arnold: Nachbarschaft (Anm. 2), S. 226–237.
  9. Talja Blokland: Urban Bonds, Cambridge 2003, S. 213.
  10. Monika Alisch: „Soziale Stadtentwicklung—Politik mit neuer Qualität?“, in: Uwe-Jens Walther (Hg.): Soziale Stadt—Zwischenbilanzen, Wiesbaden 2002, S. 57–70, hier S. 60.
  11. Der Begriff Finanzialisierung fasst die zunehmende Bedeutung finanzieller Motive, kapitalmarktgenerierter Steuerungsgrößen, von Finanzmärkten und Finanzinstitutionen sowie deren Akteur_innen für die nationale und international Wirtschaft zusammen“ (Susanne Heeg: „Wohnungen als Finanzanlage. Auswirkungen von Responsibilisierung und Finanzialisierung im Bereich des Wohnens“, in: suburban. zeitschrift für kritische stadtforschung 1.1 (2013), S. 75–99, hier S. 76). Das bedeutet, dass Wohnungen und Immobilien von einem Gebrauchsgut zu einem attraktiven Finanzprodukt gewandelt wurden, mit welchem sich maximale Finanzgewinne erzielen lassen.
  12. Vgl. Andreas Farwick: „Segregation“, in: Eckardt: Handbuch Stadtsoziologie (Anm. 1), S. 381–419.
  13. Siebel: „Ist Nachbarschaft heute noch möglich?“ (Anm. 2), S.12.
  14. Susanne Frank: Innere Suburbanisierung? Mittelschichten in den neuen innerstädtischen Familienenklaven“, in: Martin Kronauer/Walter Siebel (Hg.): Polarisierte Städte, Frankfurt a.M. 2013, S. 69–89, hier S. 74.
  15. Dies.: „Mittelschichtfamilien als Adressaten und Motoren der Stadt-und Quartiersentwicklung“, in: Informationen zur Raumentwicklung 4 (2014), S. 366.
  16. Siebel: „Ist Nachbarschaft heute noch möglich?“ (Anm. 2), S. 16.
  17. Vgl. Frank: „Mittelschichtfamilien“ (Anm. 16).
  18. Vgl. Anna Steigemann: „Social practices in a café. Community through consumption?“, in: Geographica Helvetica 72.1 (2017), S. 45–54.
  19. Vgl. Anna Steigemann: Offering „more“? How Store Owners and Their Businesses Build Neighborhood Social Life, Berlin 2017; Steigemann: The Places Where Community Is Practiced (Anm. 7).
  20. Siebel: „Ist Nachbarschaft heute noch möglich?“ (Anm. 2), S 17.
  21. Vgl. Matthias Drilling/Patrick Oehler/Nadine Käser: Potenziale postmoderner Nachbarschaften. Eine Pilotstudie im Auftrag des Bundesverbands Wohnen und Stadtentwicklung e.V. Berlin, Berlin 2017; Schnur: „Nachbarschaft und Quartier“ (Anm. 1).

Weitergehen

Idyll

…Nachbarschaft nicht als ein idyllisches Projekt dar, das sich an der Idee des dörflichen Zusammenseins orientiert, sondern als eine Form von Zweck- oder Schicksalsgemeinschaft…

dörflich

…a somewhat messy heap of a hundred or so villages.

Vielfalt

…eine Vielfalt, die sich als Antwort auf die vorausgegangenen Appelle „Integration ausländischer Arbeitnehmerfamilien“ und „Miteinander leben!“ lesen lässt.

Wohnungsmarkt

Im Hinblick beispielsweise auf den aktuellen Berliner Wohnungsmarkt kann man Vermieter*innen diese Klugheit nicht mehr absprechen…

Gentrifizierung

aber auch schadenfreude. weil gentrifizierung, nee

Neukölln

…those Brits I choose to hang with don’t tend to live where I do, more likely wanting to meet in a coffee house in Neukölln or under a tree in the Tiergarten.

Gemeinschaft

Es handelt sich allerdings eher um eine Gesellschaft als eine Gemeinschaft, wenn man auf die Überlegungen von Ferdinand Tönnies in Gemeinschaft und Gesellschaft (1887) zurückgreifen möchte…

körperlich

in welchem eine Ich-Erzählerin namens Lea Streisand sich die körperlich und psychisch anstrengende Prozedur einer Chemo- und Strahlentherapie durch die Arbeit an einem Roman über ihre Großmutter erleichtert…

Arbeit

Die machen nur ihre Arbeit. Es muss nun mal gebaut werden.

Umgebung

Währenddessen klappert ein westdeutsch sozialisierter Freund alle Supermärkte der Umgebung ab…

Siedlungen

…und dies trotz der Reformen der sozialdemokratischen Stadtverwaltung, des Baus von Siedlungen und der Gartenstädte.

Alltag

…because you will, at some later date, ask me for something in return, and get in my way, rupture my rhythm and oppress me with your tedious ‘Alltag’.

Kreuzberg

Formerly at the dead-end of the Kreuzberg district, the building faced the rubble of the bombed-out Potsdamer Platz for half a century.

Distanz

In den Wochen des ersten Lockdowns im Frühjahr war ich vor allem auf den Nahbereich meiner Zimmerreisen im Familienumkreis und auf den Umgang mit der ungewohnten physischen Distanz zu anderen Passant*innen vor der Haustür konzentriert…

Späti

Die Tür des Spätkaufs an der Ecke öffnet sich und heraus kommt ein Mann in einer hellblauen Jeansjacke, an deren Brusttasche einige Anstecknadeln pinnen.

Lockdown

…kaum Autoverkehr, nur vereinzelt kommen Passanten des Wegs, über allem liegt die Stille eines Wochenendes im Lockdown.

Pandemie

…gemeinsam mit ein paar Bekannten habe ich damals versucht, schreibend Möglichkeiten der kritischen Begleitung von sich verändernden sozialen Gewohnheiten zu finden, die durch die Pandemie hervorgetreten sind.

Mieten

Das Souterrain sorgt hingegen für eine manchmal brisante Mischung. Weil es so düster und beengt ist, sind die Mieten dort selbst in herrschaftlichen Häusern relativ niedrig…

Ausgrenzung

Als benachbarte Idiome stehen sie miteinander in Kontakt und stiften Kontakte zwischen ihren Sprechern, dienen aber ebenso oft der wechselseitigen Ab- und Ausgrenzung.

Missverständnis

Fast immer werden ausdrücklich die – oft fiktiven – Sprachen benannt, in denen sich Personen und Personengruppen miteinander verständigen oder auf ihren Missverständnissen beharren.

Wohnungsbau

Ihre Serialität und Regelmäßigkeit sollte genau wie der industrielle Wohnungsbau die Entwicklung einer gerechteren, rational organisierten Gesellschaft widerspiegeln.

Urbanität

Regelmäßigkeit führt nicht zwingend zu Eintönigkeit und die bewegten Oberflächen spiegeln heute eher belebte Urbanität als Konformität wider.

Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben/ wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.

Friedrich Schiller, Wilhelm Tell, 1804

Über das Projekt

Die Anthologie NACHBARSCHAFTEN, herausgegeben von Christina Ernst und Hanna Hamel, ist eine Publikation des Interdisziplinären Forschungsverbunds (IFV) „Stadt, Land Kiez. Nachbarschaften in der Berliner Gegenwartsliteratur“ am Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung in Berlin. Seit 2019 erforscht das Projekt das Phänomen der Nachbarschaft in der Gegenwartsliteratur und bezieht dazu auch Überlegungen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen mit ein. In der im November 2020 online gestellten Anthologie können Leser*innen durch aktuelle Positionen und Perspektiven aus Literatur und Theorie flanieren, ihre Berührungspunkte und Weggabelungen erkunden und sich in den Nachbarschaften Berlins zwischen den Texten bewegen.